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17. Dezember 2018

DJV Rheinland-Pfalz

Qualitätsjournalismus hat Zukunft

Die deutsche Zeitungsbranche steckt seit Jahren in der Krise. Immer mehr junge Menschen stellen sich am Anfang ihres Berufslebens die Frage: Lohnt es sich noch Journalist zu werden? Vor allem Zeitungsverlage stehen vor großen Herausforderungen. Auf der ersten gemeinsam organisierten Podiumsdiskussion des DJV Bezirksverbands Rheinhessen und des DJV Ortsverbands Wiesbaden stellte der Sprecher der Geschäftsführung der VRM, Hans Georg Schnücker, klar: “Qualitätsjournalismus wird es in zehn Jahren noch geben.“

Leser vertrauen Qualität: (v.l.) Dr. Michael Sommer, Prof. Dr. Oliver Quiring, Hans Georg Schnücker, Sylvia Kuck. Foto: DJV Bezirk Rheinhessen

 

In der von Sylvia Kuck vom DJV Wiesbaden und von Dr. Michael Sommer vom DJV Rheinhessen moderierten Diskussion wurde aber auch eines deutlich: Die Entwicklung in der deutschen Zeitungsbranche ist Besorgnis erregend. Immer mehr Menschen informieren sich über kostenlose Angebote im Internet. Den Verlagen gehen Leser verloren und Werbeeinnahmen brechen weg.

 

Schon werden Vergleiche zu den USA gezogen, wo eine breite Versorgung der Bevölkerung mit gutem Journalismus gar nicht mehr stattfindet. Nach Einschätzung von Professor Dr. Oliver Quiring vom Institut für Publizistik der Universität Mainz wird der Qualitätsjournalismus in Deutschland als selbstverständlich angesehen. „Wir sind verwöhnt und man weiß es nicht mehr zu schätzen“, sagte Quiring.

Auch Schnücker, Vize-Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), rief den Teilnehmern der Podiumsdiskussion in Erinnerung, dass nur in wenigen Ländern der Welt Pressefreiheit herrscht. „Pressefreiheit ist ein seltenes Gut“, sagte Schnücker und er warnte: „Das System ist massiv gefährdet“. Die Verlage leiden darunter, dass die Zahl der Werbekunden gesunken sei, sagte Schnücker. Außerdem verwies einer der führenden Verlagsmanager der Rhein-Main Region auf „den enormen Preisverfall bei der Online-Werbung“.

Deutsche Verlagshäuser stehen in direkter Konkurrenz zu Internet-Giganten wie Google oder Facebook. Außerdem drängen immer mehr Unternehmen außerhalb des traditionellen Verlagsgeschäft mit journalistischen Angeboten auf den Markt. Firmen wie die österreichische Red Bull oder Ströer, Anbieter von Außenwerbung, liefern umfangreiche journalistische Angebote und sind daher eine ernste Bedrohung. Medienexperte Quiring erkannte noch einen weiteren Nachteil der deutschen Verlagshäuser im Vergleich zu den Internet-Riesen: Firmen wie Google und Facebook funktionieren so gut, weil die Angebote einfach genutzt werden können. „Die von den deutschen Verlagen angebotenen Bezahlmodelle sind hingegen zu kompliziert“, kritisierte Quiring.

Noch stützt das in Deutschland verbreitete Abonnement-System das Geschäft der Zeitungsverlage. In den Ballungszentren wie zum Beispiel das Rhein-Main-Gebiet sieht Verlagsmanager Schnücker kein Problem für die längerfristige Finanzierbarkeit von Qualitätsjournalismus. In den ländlichen Regionen Deutschlands werde es hingegen schwierig, den gewohnten Qualitätsstandard langfristig zu gewährleisten. Vor allem die Logistik stelle eine Herausforderung dar. „Noch funktioniert es, aber Hunsrück oder Eifel sind Herausforderungen“, sagte Schnücker. Die Zeitungsverlage reagieren mit Übernahmen und Fusionen auf die schwierige Lage. Kleinere Zeitungsverlage verlieren ihre Eigenständigkeit und werden im immer größere Verlagshäuser integriert.

Auch die VRM sorgte mit Zukäufen in den vergangenen Jahren für mehr Reichweite, unter anderem mit der Übernahme des Darmstädter Echos oder mit Beteiligungen an Zeitungen in Wetzlar oder Gießen. Eine Entwicklung, die von Mitarbeitern der VRM mit Sorge verfolgt wird. So nutzte Ingo Berghöfer, Redakteur und Betriebsrat beim Gießener Anzeiger die Podiumsdiskussion und überreichte VRM-Chef Schnücker einen offenen Brief, in dem Sorgen der Kolleginnen und Kollegen in Gießen vor möglichen Einsparungen zum Ausdruck gebracht wurde. Neben der Expansion setzt die VRM aber auch auf Investitionen in neue Technologien. „Es gibt beim e-Paper ein Wachstum von 10 bis 20 Prozent pro Jahr“, sagte Schnücker. Auch die Entwicklung von Stellenportalen und Immobilienportalen mache Hoffnung.

Auch Experte Quiring blickt grundsätzlich eher zuversichtlich auf die künftige Entwicklung. „Die Menschen werden merken, dass Qualitätsjournalismus wichtig ist. Sie werden letztendlich der Qualität vertrauen und auch bereit sein, dafür zu zahlen“, sagte er. Und an die Adresse der Verlagshäuser machte der Medienwissenschaftler deutlich: „Junge Menschen konsumieren aktuell mehr Medien als früher. Das Potenzial ist da und es muss abgeschöpft werden.“